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Dies und Das
Der Irish Terrier und die Jagd

Anfang des Jahres 2008 wurde im Irish Terrier Forum die Frage nach der Jagdtauglichkeit des Irish Terrier diskutiert. Dazu schrieb Andreas Clauser, der unter dem Namen St. Patrick´s Irish Terrier züchtet und sie auch jagdlich führt, folgende interessante Einschätzung:

 
Der Irish und die Jagd

Das Wichtigste, was einen Irish als Jagdhund qualifiziert, ist der Jäger, der ihn auch tatsächlich einsetzt.
Die Ausbildung eines Hundes für den Jagdgebrauch ohne spätere Einsatzmöglichkeit bringt nur Nachteile, weil der Jagdtrieb im Hund geweckt und gefördert wurde,ohne dass er ihn ausleben kann.
Außerdem werden bei der Ausbildung wildlebende Tiere gestört und getötet. Dies ist ethisch nur vertretbar, wenn der Hund später auch zur Suche nach angeschossenem Wild eingesetzt wird und dabei dessen Leiden nach einem nicht sofort tödlichen Schuss zu verkürzen hilft.

Ein geeigneter Jagdhund muss einige Anlagen mitbringen, die sich züchterisch fördern lassen. Da bei den Irish Terriern über viele Generationen keine dementsprechende Auslese stattfand, finden sich einige für einen universellen Gebrauch erforderliche Anlagen nicht oder nur selten in unseren Hunden. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten des Irish Terriers einerseits ein. Andererseits bewahrt in dies vor einem oft zu beobachtenden Übel. Nämlich zu stark ausgeprägten Trieben, die das Steuern des jagdlichen Einsatzes bei sehr hoch veranlagten Hunden zu einem Meisterstück für Profis machen. Von einem "Normaljäger" sind solche hochpassionierten Spitzenhunde nicht zu bändigen.

Die Vorteile des Irish Terriers liegen in seiner Leichtführigkeit(das glaubt mir keiner, der bisher nur Jagdterrier geführt hat), seiner führerbezogenen Jagdweise, der Wild- und Raubwildschärfe und seiner unvergleichlichen Hartnäckigkeit beim Halten der einmal aufgenommenen Spur oder Fährte.
Größe, Kraft und Schnelligkeit befähigen ihn zum Verlorenbringen allen Wildes bis zum Hasen. Ein schwerer Fuchs dürfte jedoch die meisten Irish ein wenig überfordern.

Der größte Nachteil des jagenden Irish ist der fehlende Laut. Die weitaus meisten jagen stumm. Und mindestens sichtlaut sollte ein im Wald oder bei der Nachsuche eingesetzter Hund schon sein. Es gibt zwar einige Irishbesitzer, die mir berichten, dass ihr Hund Wild "lauthals" verfolgt. Aber wirklich überprüfen konnte ich das bisher noch bei keinem dieser als laut bezeichneten Hunde.
Sehr unterschiedlich verteilt ist die Wasserfreude. Von Hunden, die problemlos das Wasser annehmen und auch drin bleiben, wenn sie schwimmen müssen bis zu Totalverweigerern, die trotz Schwimmstunden während der Prägungsphase(!) später freiwillig keine Pfote mehr ins tiefe Wasser setzen ,ist alles vorhanden.
Die Nasenleistung weist ebenfalls eine weite Spannbreite auf. Sie ist sicherlich am schwierigsten zu beurteilen, weil auch eine mittelmäßige Nase für die meisten jagdlichen Belange ausreicht. Außerdem findet der Irish auch bei mangelnder Nasenleistung oft was er sucht, weil er eine einmal aufgenommene Spur oder Fährte meist mit größtem Durchhaltewillen hält, wenn er erst mal gelernt hat, dass er so zum Erfolg kommt. Es dauert dann halt nur etwas länger. Ich würde sagen, dass keiner der von mir bisher geführten Irish mit echten Spitzenhunden mithalten kann. Mein derzeitiger Teckel hat eindeutig die beste Nase aller bisher von mir geführten Hunde. Aber die besseren Irish sind sicherlich im oberen Mittelfeld anzusiedeln und bringen damit alles mit, was sie als universeller Jagdhelfer an Nasenleistung benötigen.

Wer also nicht ausschließlich im Wald jagt, aber einen führigen Hund sucht, der ihn auf Treibjagden unterstützt, der einfache Totsuchen bewältigt und die nötige Wildschärfe mitbringt ist mit dem Irish Terrier gut beraten. Er ist kein Hund für jagdliche Vollprofis, die Spitzenhunde mit höchsten Anlagen brauchen und auch auslasten können. Aber der passionierte Jäger, der das Waidwerk neben seinem Beruf ausübt und vielleicht auch noch auf familiäre Verpflichtungen Rücksicht nehmen muss, ist der geeignete Irish Terrier Kandidat.

Denn das ist für mich das Faszinierenste an dieser Rasse: Sie unterscheiden genau zwischen Jagd und zivilem Leben. Und sie bleiben der anhängliche, liebebedürftige, kinderfreundliche Familienhund, der nichts vermisst, wenn es mal ein paar Wochen lang nicht ins Revier geht. Hauptsache, sie sind mit ihrem Menschenrudel zusammen und genießen die Zuwendung ihrer Familie. Wirklich ein Hund für alle Fälle.

Andreas Clauser

 

Herr Clauser bittet darum, ihn vor einer Veröffentlichung dieses Artikels an anderer Stelle vorher zu kontaktieren. Zu Fragen um den Irish Terrier und die Jagd steht er gerne zur Verfügung

 
Zum Nachdenken

"Wie konntest Du nur ?"

Copyright Jim Willis 2001

"Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.

Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.

Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich, weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte. Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".
Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.

Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt. Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge.

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiss, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum". Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!"

Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?".

Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte. Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.

Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte. Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?".

Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort. Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt.

Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte.
Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.

Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen. "

Wir möchten Sie dazu ermutigen,

"Wie konntest Du nur?" zu veröffentlichen und so mitzuhelfen, die verbreitete Vorstellung von Tieren als "entsorgbar" zu ändern und vor Augen zu halten, dass der Entschluss, ein Tier in eine Familie aufzunehmen, eine Verpflichtung bedeutet, welche für die Lebensdauer des Tieres anhält!
Jim Willis

Text aus: Jim Willis, 'Die leise Stimme der Seele'
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